• Lena

Und plötzlich ist es Frühling



Dienstagmorgen – eigentlich lasse ich mein Handy morgens gerne noch aus, während ich mit Kaffee und Journaling in den Tag starte. Doch heute habe ich dieses drängende Bedürfnis, dass ich direkt informiert sein muss. Und kaum den Flugmodus ausgeschaltet, trudeln sie schon ein, die ganzen Neuigkeiten – dieses Yoga Studio bietet nun Online Klassen an, jener Lehrer hat bereits einen neuen Termin für seine Workshops gefunden und ach ja, da ist ja auch noch der neue Podcast, wie man nun sein eigenes Online Business aufbaut (an dieser Stelle möchte ich meine größte Bewunderung aussprechen, wie schnell manche sich an diese neue Situation angepasst und reagiert haben. Mein System ist hier jedoch etwas langsamer). Und zwischen all dem soll ich mich nun entscheiden, wann ich meine gebuchten Events lieber nachholen möchte – Anfang Mai oder Ende Mai. Wissen wir denn, ob im Mai überhaupt schon wieder ein geregeltes Leben stattfinden kann? Ich bin mir da nicht so sicher.


Als selbständige Yoga Lehrerin verstehe ich sehr gut, dass wir trotzdem weiterhin Geld verdienen müssen und gleichzeitig merke ich eben, dass diese Dynamik für mich und für viele in meinem Umfeld extrem herausfordernd ist. Hallo Ängste, hallo Vergleiche, hallo alte Muster.


Gerade schreibt mir eine Freundin, dass sie sich nun eine Weile von den sozialen Medien fernhalten wird – und ich kann sie so gut verstehen. Ich werde mir nun selber ein Versprechen geben, dass ich nur noch zu ausgewählten Zeiten und für bestimmte organisatorische Dinge dort online sein werde.


Ich schließe Eversports, ohne für heute Abend einen Online Kurs gebucht zu haben (am liebsten würde ich jetzt nämlich bei all meinen Lieblingslehrer*innen deutschlandweit eine Klasse mitmachen) oder einen eigenen Kurs anzubieten, ich verschiebe ein paar Events auf unbestimmte Zeit und mache erstmal ein Mantra an. Lokah Samastah Sukhino Bhavantu - “Mögen alle Lebewesen überall glücklich und frei sein. Mögen meine Taten, Gedanken und Worte in einer Form zum Glück und Freiheit aller beitragen.“ Mehr denn je bekomme ich heute Gänsehaut bei dem Lied.


Und während all diese Gedanken in meinem Kopf umher wirbeln und sich in mir ein frühmorgendlicher Gefühlscocktail ausbreitet, blühen draußen die Krokusse und die Natur erwacht aus ihrem Winterschlaf.


Vielleicht ist es genau das – ich darf nun eine kleine Pause von meinem gewohnten Alltagstrubel einlegen und der Natur dabei zuschauen, wie sie erblüht und ihrem gewohnten Gang nachgeht. In ihrem eigenen Rhythmus. Meine Ängste kann ich mir auch draußen anschauen, während die Sonne mein Gesicht wärmt. Vielleicht sehen sie dann auch gar nicht mehr so erschreckend aus. Und beklage ich mich nicht jedes Jahr, dass es plötzlich Sommer ist und ich den Frühling verpasst habe? Immerhin wird mir das dieses Jahr nicht passieren – sofern ich nicht von einer Online Yogaklasse zur nächsten hüpfe und meine Nase mal in den Wind anstatt in Facebook-Gruppen halte.


Namasté und bis zum nächsten Mal, eure Lena

©2020 by LENA VOITH

YOGA ★ COACHING ★ MEDITATION

Impressum   Datenschutz   AGB