• Lena

Angst



Eigentlich hatte ich schon einen Beitrag darüber begonnen, dass sich mein System langsam an die Situation gewöhnt und es mir von Tag zu Tag besser geht. Dass ich viel Musik höre, mit meiner Oma telefoniere, für meine Eltern und Freunde kurze Meditationen aufnehme und mich über das Müllauto freue, weil es mir ein Stück Normalität vorgaukelt.


Und dann überkommt sie mich. Sie kriecht nicht erst langsam den Rücken hoch, sondern sie überrollt mich wie eine Welle mit lautem Getöse und unaufhaltsam – die Angst.

Tada, da wären wir. Während ich einer Freundin auf ihre Sprachnachricht antworte und ihr berichte, wie es mir geht, kullern plötzlich die Tränen. Ich bin selber etwas überrascht über diesen plötzlichen Gefühlsausbruch. So heftig, klar und präsent hatte ich sie nicht erwartet. Diese Angst, die du nicht einfach wegatmest, sondern die sich erstmal in jeder deiner Zellen einnistet und dein ganzes Denken und Fühlen einhüllt. Diese Angst, nicht zu wissen, wann wieder Alltag einkehrt. Diese Angst um die Gesundheit unserer Familien und Freunde und all der anderen Menschen da draußen, von denen wir kaum noch jemanden physisch sehen. Diese Angst, wie es mit unserer Wirtschaft und unserer Gesellschaft weitergehen wird. Und natürlich diese Angst vor dem Alleinsein. Dabei kann ich das normalerweise ziemlich gut und genieße es zeitweise so sehr. Jedoch ist schnell Schluss mit dem Genuss, wenn es sich um voraussichtlich mehrere Wochen handeln wird.


Scheinbar habe ich nun ganz viel Zeit, mir diese Angst anzuschauen und zu lernen, damit umzugehen. Werde ich auch machen. Aber erstmal schnappe ich mir meine Yogamatte und rolle sie direkt neben meinem schlafenden Hund aus. Und heute wünsche ich mir, dass er sich in Adho Mukha Svanasana, dem herabschauenden Hund unter mich auf die Matte legen wird – etwas, das mich sonst immer ablenkt und manchmal sogar nervt. Heute ist es das größte Geschenk.

Danke für deine Nähe.

©2020 by LENA VOITH

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